Die Kreislaufwirtschaft – Investitionen in Europa stärken

Die Kreislaufwirtschaft – Investitionen in Europa stärken

Mittwoch, 30. März 2016 — Um heutzutage in der EU nachhaltiges Wachstum zu fördern, müssen wir Ressourcen intelligenter und nachhaltiger nutzen. Dazu gibt es nun einen neuen Denkansatz, die Kreislaufwirtschaft, der bedeutet, dass Produkte so designt und gefertigt werden, dass sie so lange wie möglich genutzt, leicht repariert und am Ende ihrer Lebensdauer recycelt und effektiv entsorgt werden können.

Eine Kreislaufwirtschaft hat viele Vorteile. Sie kann neue Arbeitsplätze und Dienstleistungen schaffen und neue innovative Technologien fördern, die helfen können, europäischen Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen. Da Ressourcen effizient genutzt werden und das Abfall-Aufkommen reduziert wird, ist sie gut für die Umwelt. Und sie hat Vorteile für die Verbraucher, die in den Genuss haltbarerer und innovativerer Produkte kommen.

Der Weg zu einer eher an der Kreislaufwirtschaft ausgerichteten Gesellschaft ist jedoch keineswegs einfach. Er erfordert grundlegende Änderungen in der Art und Weise, wie wir die Waren, die wir nutzen, konstruieren, herstellen, konsumieren und entsorgen. Die EU hilft, diese Umstellung zu unterstützen, indem sie eine Reihe von Finanzierungsmöglichkeiten bereitstellt. So werden Innovationen gefördert, Projekte unterstützt, die eine spezifischen Beitrag zu Ökologie und Klimaschutz leisten, Aktivitäten in Europas Regionen gestärkt und KMU unterstützt.

Investitionen in den Aufbau der Kreislaufwirtschaft gehören zu den Punkten, die ganz oben auf der Tagesordnung der Europäischen Kommission stehen; sie sind ein entscheidender Bereich der Investitionsoffensive für Europa, die Ende 2014 ins Leben gerufen wurde und das Ziel hat, Investitionshindernisse zu beseitigen, Investitionsprojekte bekannt zu machen, technisch zu unterstützen sowie neue und bestehende finanzielle Ressourcen effizienter zu nutzen. Diese Schlüsselinitiative könnte in den kommenden Jahren potenziell 1 bis 1,3 Millionen neuer Arbeitsplätze schaffen.

Im Zentrum der Investitionsoffensive steht der vor Kurzem eingerichtete Europäische Fonds für strategische Investitionen (EFSI), der Projekte mit einem höheren Risikoprofil finanziert und so die Wirkung öffentlicher Ausgaben maximiert und privates Investitionspotenzial erschließt. Er soll in Europa im Verlauf von drei Jahren insgesamt 315 Mrd. EUR an Investitionen mobilisieren, wobei bis Ende 2015 bereits Investitionen in Höhe von schätzungsweise 50 Mrd. EUR getätigt wurden.

Der Fonds, der in enger Partnerschaft mit der Europäischen Investitionsbank (EIB) aufgelegt wurde, bringt öffentliche und private Mittel zusammen und kann kleinen kreislaufwirtschaftlich ausgerichteten Projekten Hilfe gewähren sowie innovative Projekte unterstützen, denen es an Mitteln mangelt. Von den 42 Projekten, welche die EIB bislang genehmigt hat, befassen sich 6 unter anderem mit Umwelt und Ressourceneffizienz.

Die EIB kann als weltweit größter Kreditgeber für Klimaschutzmaßnahmen der Kreislaufwirtschaft auch unmittelbar Mittel bereitstellen. Sie hat innerhalb der letzten zehn Jahre bereits Projekte der Kreislaufwirtschaft in Höhe von ungefähr 15 Mrd. EUR kofinanziert. Die Beratungsdienste der Bank haben kürzlich eine Studie durchgeführt, in der untersucht wird, wie durch die Finanzierung die Umstellung auf die Kreislaufwirtschaft unterstützt werden kann. In der Studie wird betont, wie notwendig es ist, dass Projektträger kreislaufwirtschaftliche Elemente in ihre Projekte aufnehmen.

Da zu kreislaufwirtschaftlichen Projekten oft Investitionen in innovative Technologien und neue Geschäftsmodelle gehören, die oft ein größeres Risiko mit sich bringen, nutzt die EIB zunehmend Instrumente zur Risikoteilung, zum Beispiel InnovFin – EU-Mittel für Innovationen. Diese Initiative bietet innovativen Unternehmen Beratungsleistungen und hat das Ziel, bis 2020 24 Mrd. EUR an Fremd- und Eigenkapital bereitzustellen.

Gemeinsam mit dem Investitionsfonds kann die EIB Banken und anderen Finanzinstituten helfen, die Kreislaufwirtschaft als Priorität zu unterstützen. Darüber hinaus stellt die EIB nicht nur Mittel bereit, sondern auch finanzielle und technische Beratung und die Erfahrung, Ideen in Projekte umzusetzen - zum Beispiel über die kürzlich eingerichtete Europäische Plattform für Investitionsberatung, die Unternehmen technische Hilfe bereitstellt, damit diese beginnen können, auf die Kreislaufwirtschaft umzustellen.

Eine weitere wichtige Finanzierungsquelle für Projekte der Kreislaufwirtschaft ist Horizon 2020, das Forschungsprogramm der EU für den Zeitraum 2014-2020. Sein Arbeitsprogramm für 2016 und 2017 enthält erstmals einen Abschnitt, der sich spezifisch mit dem Thema „Industrie 2020 in der Kreislaufwirtschaft“ befasst, wofür 650 Mio. EUR zur Verfügung stehen. Die Aufrufe zur Beteiligung an den diesjährigen Maßnahmen endeten im März, die Ausschreibungen für 2017 werden jedoch in Kürze beginnen. 

Die neue Initiative ist ein Zusatz zur umfassenderen Finanzierung, die Horizon 2020 bereits für die Unterstützung kreislaufwirtschaftlicher Innovation in Bereichen wie Umwelt und Ressourceneffizienz, Lebensmittelsicherheit und nachhaltige Landwirtschaft sowie Biotechnologie zur Verfügung stellt.

Projekte der Kreislaufwirtschaft können auch durch das LIFE-Programm kofinanziert werden, den Finanzierungsmechanismus der EU für Umwelt- und Klimaschutzmaßnahmen. Sein Gesamtbudget für den Zeitraum 2014-2020 beläuft sich auf 3,4 Mrd. EUR und die Ausschreibungen für die Mittel dieses Jahres sollen im Mai veröffentlicht werden.

Das Programm konzentriert sich auf zwei wesentliche Komponenten der Kreislaufwirtschaft: Ressourceneffizienz und Abfall. Es stellt nicht nur Finanzhilfen für bestimmte Projekte zur Verfügung, sondern unterstützt auch den Kapazitätsaufbau, den Austausch von Informationen, bewährte Vorgehensweisen und die Stärkung des Bewusstseins für die entsprechenden Themen.

Im Lauf der Jahre trug seine Unterstützung dazu bei, Fertigungsprozesse ressourceneffizienter zu gestalten sowie die Entwicklung von Produkten zu ermutigen, die während der gesamten Lebensdauer Prinzipien des Ökodesigns berücksichtigen. Bis 2015 hatte das Programm 504 Mio. EUR in 661 Projekte mit Bezug zur Kreislaufwirtschaft investiert. 202 davon befassten sich unter anderem mit der Wiederverwendung von Abfallmaterial, 304 mit Recycling und 126 mit Abfallreduzierung.

 

Das LIFE-Programm – eine kurze Bestandsaufnahme von in der EU finanzierten Projekten


Die italienische Stadt Ferrara entwickelte ihr LOWaste-Projekt, um Siedlungsabfälle zu reduzieren und die natürlichen Ressourcen zu erhalten, indem sie einen lokalen Markt für recycelte Materialien entstehen ließ. Im Verlauf von fast drei Jahren (September 2011 bis Juni 2014) konnte die Stadt unmittelbare Abfälle erfolgreich um 11 400 Tonnen pro Jahr sowie die CO2-Emissionen um bis zu 3 000 Tonnen jährlich reduzieren.

Der wichtigste Erfolg des Projekts, an dessen Gesamtbudget von 1 109 000 EUR sich LIFE mit 554 500 EUR beteiligte, war jedoch, dass es zur Planung eines grünen Viertels Anstoß gab, das auf kreislaufwirtschaftlichen Prinzipien basiert. Hier kommen Abfallentsorger, kleine Wiederverwendungs- und Recyclingplattformen, Kunsthandwerker und KMU zusammen, um Artikel aus wiedergewonnen Materialien zu entwickeln und herzustellen.

In Österreich nahm sich das kleine Forschungsinstitut Ressourcen Management Agentur des Problems an, wie mit den Millionen Tonnen Abbruchmüll umgegangen werden soll, der jedes Jahr im ganzen Land anfällt. Mit Unterstützung von LIFE in Höhe von 354 973 EUR (Gesamtbudget: 709 945 EUR) wurde drei Jahre (Januar 2009 bis Dezember 2011) am EnBa-Projekt gearbeitet, in dem in Zusammenarbeit mit Abfallwirtschafts-, Bau- und Abrissunternehmen sowie Behörden nachhaltige Nutzungsmöglichkeiten für Bauabfälle entwickelt wurden.

Durch diese Arbeit konnten nicht nur die Abfallströme deutlich reduziert werden, sie floss auch in Österreichs fünfjährigen Abfallbewirtschaftungsplan und die im Land geltende neue gesetzliche Definition des Endes der Abfalleigenschaft ein. Beide griffen die EnBa-Idee auf, vor einem Abbruch eine Bewertung gefährlicher Stoffe sowie einen Abfallbehandlungsplan zu verlangen.

 

Für Projekte der Kreislaufwirtschaft stehen Mittel aus den Struktur- und Investitionsfonds der EU zur Verfügung, die das Ziel haben, wirtschaftliche und soziale Ungleichheiten zwischen den Regionen des Kontinents zu verringern und das Wachstum zu fördern. Für die Verwirklichung der Kommissionsziele für die Abfallwirtschaft wurden eigens ca. 5,5 Mrd. EUR bereitgestellt und da Projekte der Kreislaufwirtschaft einen echten Beitrag zu diesem Prozess leisten können, stehen diese Mittel auch dafür zur Verfügung.

Das EU-Programm für die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen und für kleine und mittlere Unternehmen (COSME) kann ebenfalls genutzt werden, um Projekte der Kreislaufwirtschaft zu finanzieren. Zwar hat es keine spezifische kreislaufwirtschaftliche Komponente, doch es bietet KMU umfassende Unterstützung, indem es unter anderem den Zugang zu Mitteln während verschiedener Phasen des Unternehmensaufbaus ermöglicht. Es wird erwartet, dass seine Kreditbürgschaftsfazilität – sie stellt Finanzinstituten Bürgschaften und Rückdeckungen bereit, damit diese Kredite an kleine Unternehmen vergeben können – mit ihrem Budget von 2,3 Mrd. EUR im Zeitraum 2014 bis 2020 zwischen 220 000 und 330 000 Unternehmen unterstützen wird, wodurch eine Gesamtkreditsumme von 14 bis 21 Mrd. EUR erreicht werden soll.

Alle diese Fonds und Programme stellen Unternehmen, die an Initiativen im die Zusammenhang mit der Kreislaufwirtschaft arbeiten, konkrete Unterstützung bereit, sodass sie investieren und ihre oft innovativen Produkte und Dienstleistungen entwickeln können. In Zukunft werden noch mehr Mittel bereitgestellt werden, zum Beispiel durch eine neue gemeinsame Initiative zwischen der Europäischen Kommission, der EIB und den Zentralbanken, die derzeit bewertet wird.

Weitere Initiativen werden in den nächsten Monaten dazu beitragen, das Bewusstsein für die Kreislaufwirtschaft und ihr enormes Potenzial zu stärken. Zum Beispiel steht die Kreislaufwirtschaft auch bei der nächsten Green Week auf dem Programm, Europas größter jährlicher Veranstaltung zur Umweltpolitik, die vom 30. Mai bis zum 3. Juni stattfindet. Tägliche Online- und Live-Aktivitäten sind geplant. Unter dem Motto „In eine grünere Zukunft investieren“ möchte diese EU-weite Initiative einen Beitrag zur Beantwortung der Frage leisten, wie intelligentes, nachhaltiges und integratives Wachstum in Europa verwirklicht werden kann. Sie können die Green Week hier online verfolgen: http://ec.europa.eu/environment/greenweek/index_en.html

Die schrittweise Umstellung auf eine Kreislaufwirtschaft ist keineswegs einfach und in den nächsten Jahren ist ein zuverlässiger Zugang zu nachhaltigen Finanzierungsmöglichkeiten erforderlich. Die EU hilft, diese Umstellung zu unterstützen und sie so reibungslos und zügig wie möglich zu gestalten. Diese Veränderung ist nicht nur eine ökologische Notwendigkeit, sondern auch eine Gelegenheit, unsere Volkswirtschaften weiterzuentwickeln und neue, nachhaltige Wettbewerbsvorteile für Europa zu schaffen.

 

© RMA (Ressourcen Management Agentur) - EnBa
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Antonella Bassi

Media Relations Manager

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